Hotel Kaiserhof 1901

Geschichtsblatt: Vor 125 Jahren: Gründung des ersten deutschen Automobilverbands in Eisenach

Mit dem Aufkommen des Automobils um 1900 erlebten Messen und Ausstellungen im deutschsprachigen Raum einen Boom. Wettrennen und Zuverlässigkeitsfahrten sollten die neue Technik populär machen und Vorbehalte abbauen. Doch der wachsende organisatorische und finanzielle Aufwand entwickelte sich für die Hersteller zunehmend zum Problem.

Allein im Jahr 1900 fanden innerhalb weniger Wochen große Automobilausstellungen in Berlin, Wien, Nürnberg und Frankfurt statt. Neben dem Transport der Fahrzeuge mussten aufwendig gestaltete Messestände errichtet und wochenlang betreut werden – ein Kostenfaktor, der die Branche stark belastete, während vor allem die Messeveranstalter profitierten.

Vor diesem Hintergrund lud der Eisenacher Fabrikdirektor und Automobillobbyist Gustav Ehrhardt im Januar 1901 führende deutsche Fahrzeughersteller zu einer gemeinsamen Versammlung nach Eisenach ein. Tagungsort war das neu errichtete Hotel Kaiserhof, das bereits damals mit einer eigenen Fahrzeuggarage aufwarten konnte. Am 19. Januar 1901 trafen zehn Fabrikanten per Eisenbahn ein und wurden standesgemäß mit Wartburg-Motorwagen empfangen und zum Hotel kutschiert.

Hinter verschlossenen Türen schlug Ehrhardt vor, trotz aller Konkurrenz eine gemeinsame Interessenvertretung zu gründen. Im Rauch von dicken Havanna-Zigarren folgten die anwesenden Unternehmer dem Vorschlag und beschlossen die Gründung des Vereins Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller (VDMI).

Zum Vorsitzenden wurde Gustav Vischer, der Direktor der Daimler-Motoren-Gesellschaft aus Cannstatt gewählt, sein Stellvertreter wurde der Rennfahrer und Industrielle Baron Eugène de Dietrich aus Niederbronn (Elsass). Ehrhardt selbst gehörte ebenso dem Vorstand an wie Heinrich Kleyer (Adler-Werke) und mit Willy Tischbein (Continental) und Karl Fichtel waren erstmals waren auch Vertreter der Zulieferindustrie beteiligt.

Die Gründung fand große öffentliche Resonanz. Zeitungen würdigten den Verband als wichtigen Schritt für die Entwicklung des Automobilwesens in Deutschland. Der VDMI bezog rasch Position gegen das ausufernde Messewesen, lehnte die Hamburger Automobilausstellung ab und setzte sich für eine stärkere Einflussnahme auf gesetzliche Regelungen, gegen eine Luxussteuer auf Automobile sowie für Zollschutz und Versicherungen ein.

In den folgenden Jahren entwickelte sich der VDMI zum wichtigsten Industrieverband der deutschen Automobilbranche. Der Sitz wurde nach Berlin verlegt, die Mitgliederzahl wuchs rasch und hatte mit Robert Bosch, Carl Benz und Wilhelm Maybach bedeutende Ehrenmitglieder. 1923 erfolgte die Umbenennung in Reichsverband der Automobilindustrie (RDA).

Nach dessen Auflösung 1945 wurde der Verband 1946 als Verband der Automobilindustrie (VDA) neu gegründet. Heute vertritt der VDA rund 650 Unternehmen der Automobil- und Zulieferindustrie und zählt zu den einflussreichsten Wirtschaftsverbänden Deutschlands und wird von Hildegard Müller als Präsidentin geleitet.