v.l.n.r.:matthias DOHT; klaus-Dieter Krügel im Wartburgradio
Zeitzeugenprojekt geht in die nächste Runde
Gespräch mit dem ehemaligen Werksrallye-Fahrer Klaus Dieter Krügel
Am 22. Mai setzten Dr. Jessica Lindner-Elsner, wissenschaftliche Leiterin des Museums awe und Matthias Doht, Finanzvorstand der Stiftung Automobile Welt Eisenach, das Zeitzeugenprojekt mit einem weiteren spannenden Gespräch im Wartburg Radio fort. Diesmal stand der gebürtige Leimbacher und ehemalige AWE-Werksfahrer Klaus Dieter Krügel im Mittelpunkt. Der 1948 geborene Krügel absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Straßenbau-Facharbeiter im elterlichen Betrieb „Max Krügel Steinsetzmeister“. Das Unternehmen, das zeitweise mehr als 60 Beschäftigte hatte, wurde 1963 enteignet und anschließend vom Straßenbaukombinat Meiningen übernommen. Klaus Dieter Krügel arbeitete dort bis 1979 weiter. Seine Leidenschaft gehörte jedoch schon früh dem Motorsport. Beim MC Kali Merkers begann er mit Motocross auf einer 350 ccm Sport-AWO seine aktive Laufbahn. Von 1972 bis 1990 war Krügel erfolgreich im Rallyesport aktiv und prägte insbesondere die DDR-Rallyeszene entscheidend mit. Viele Jahre lang war sein Bruder Wolfgang Krügel als Co-Pilot an seiner Seite. Ende der 1970er Jahre wurden beide schließlich Werksfahrer des Automobilwerks Eisenach (AWE). Zu seinen größten sportlichen Erfolgen zählen zwei Gesamtsiege, 18 Klassensiege sowie 52 Gold-, zwei Silber- und drei Bronzemedaillen. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er 1988 mit dem Gewinn des DDR-Meistertitels.
Gefahren ist Klaus Dieter Krügel unter anderem auf den Fahrzeugtypen Wartburg 311, Wartburg 353 W und WR sowie W 460. Zum Rallyesport kam er durch seinen damaligen Nachbarn Horst Ihling aus Bad Salzungen, der zu jener Zeit als Rallyeleiter tätig war. Bereits 1970 bestritt Krügel als Privatfahrer für das Automobilwerk Eisenach erste Rallyes im eigenen Fahrzeug. Im Gespräch berichtete Krügel eindrucksvoll von den Strapazen des Motorsports unter den damaligen Bedingungen. Häufig mussten weite Anreisen auf eigener Achse bewältigt werden, oftmals mit nur wenig Servicepersonal vor Ort. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass sämtliche Fahrzeuge des Werksteams direkt im Automobilwerk Eisenach aufgebaut wurden. Fahrer und Beifahrer arbeiteten dabei selbst an ihren Einsatzfahrzeugen mit und kannten die Technik ihrer Rallyewagen dadurch bis ins Detail. Trotz aller Herausforderungen seien ihm viele prägende Erinnerungen geblieben. Besonders bewegend schilderte er einen schweren Unfall beim Zieleinlauf einer Rallye in der damaligen Slowakei im Jahr 1979, bei dem sein Bruder Wolfgang Krügel schwer verletzt wurde.
Das Zeitzeugenprojekt dokumentiert persönliche Lebensgeschichten und Erinnerungen aus der Region und bewahrt damit wichtige Zeugnisse der Zeitgeschichte für kommende Generationen.
Text: Dr. Jessica Lindner-Elsner